Homepage Dr. Schröter

(Rechtshinweis) Stand: 16.06.2015

Hildesheim
- Moritzberg mit Phoenixgelände -
Exkursionsbericht der IfR-Regionalgruppe Niedersachsen (Braunschweig/Hannover)
von
Dr. Frank Schröter

 

Die Exkursion fand im Rahmen der Treffen der IfR-Regionalgruppe Niedersachsen (Braunschweig/Hannover) statt. In der wärmeren Jahreszeit wird das Regionalgruppentreffen durch eine Exkursion (mit Führung) zu einem planerischen Thema eingeleitet.

 

Am Freitag, dem 08. Mai 2015 traf sich die IfR-Regionalgruppe Niedersachsen (Braunschweig/Hannover) in Hildesheim, um sich das Stadtumbaugebiet „Moritzberg mit Phoenixgelände“ (25 ha) anzusehen, das im Westen der Stadt Hildesheim liegt. Frau Christine Söhlke, vom FB 61 - Stadtplanung und Stadtentwicklung der Stadt Hildesheim (vgl. Abb. 1) und Wolfram Poppenhäger, Leiter der Technischen Abteilung der gbg (Gemeinnützige Baugesellschaft zu Hildesheim AG), waren so freundlich uns zu führen.

Die IfR-Regionalgruppe

Abb. 1:    Frau Söhlke gibt der IfR-Regionalgruppe erste grundlegende Informationen zum Moritzberg

Das Stadtumbaugebiet „Moritzberg mit Phoenixgelände", mit einer Größe von ca. 25 ha, wurde 2008 in das Bund-Länder-Programm „Stadtumbau West“ aufgenommen. Der gesamte Stadtteil hat ca. 9.600 Einwohner. Im Kern des Stadterneuerungsgebiets liegt das ehemalige Werksgelände der Phoenix-AG.

Zum Planungsziel heißt es auf der Homepage der Stadt Hildesheim: "Im Hinblick auf das ehemalige Phoenixgelände soll ein qualitätsvolles innenstadtnahes Quartier entstehen, in dem sich eine lebendige Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Versorgung entwickelt. Dazu wurde bereits ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt. Mit der Revitalisierungen von Industriebrachen strahlen die daraus resultierenden städtebaulichen und sozialen Qualitätsgewinne durch eine optimale Nachnutzung und Attraktivierung des Gebietes auch auf viele Bereiche der Stadtentwicklung positiv aus." (Stadt Hildesheim, 2015)

Während jetzt bereits schöne Erfolge sichtbar sind, waren die Anfänge des Sanierungsprozesses schwierig. Insbesondere private Eigentümer waren/sind schwer zu motivieren, obwohl es bis zu 50 % Zuschüsse zu den Investitionskosten gab. Von 40 Beratungsgesprächen haben letztlich nur 17 zu Förderanträgen geführt.

Ein gelungenes Beispiel für eine Fassadensanierung zeigt Abb. 2. Dieses Gebäude weist prägende Elemente der Industriearchitektur auf, stand aber leer und war stark sanierungsbedürftig. Im Rahmen der Sanierung konnte nicht nur das Gebäude saniert werden, sondern auch für das Erdgeschoss eine neue gewerbliche Nutzung (Restaurant mit Bringdienst) gefunden werden.

Fassadensanierung

Abb. 2:    Gelungene Fassadensanierung

Weitere Elemenmte der Industriearchitektur kann man beim ehemaligen Verwaltungsbau der Phoenix AG besichtigen. Hier wurde u.a. das ehemalige Pförtnerhäuschen erhalten und restauriert (vgl. Abb. 3).

Verwaltungsbau Phoenix

Abb. 3:    Pförtnerhäuschen beim Verwaltungsbau Phoenix

Noch nicht abgeschlossen ist hingegen die Sanierung und Umnutzung der ehemaligen Paschenhalle (vgl. Abb. 4), die reizvoll am Bach "Kupferstrang" liegt. Die denkmalgeschützte Paschenhalle wurde ca. 1956 erbaut, wobei insbesondere die gewölbte Sheddachkonstruktion (geformt wie ein Sägeblatt) auffällig und stadtbildprägend ist. Hier sollen neben Gewerbenutzung auch Wohnnutzungen entstehen.

Paschenhalle

Abb. 4:    Paschenhalle

Das erste Punkthaus auf dem Phoenixgelände (an der neuen Straße "Schusterbleek") ist auf den ersten Blick nichts besonderes, wurde aber als Smart Home gebaut (vgl. Abb. 5). In jeder Wohnung gibt es eine Steuerungszentrale, von der aus nicht nur die Heizung, Jalousien und Licht gesteuert werden können, sondern auch die Waschmaschine, Fenster, sogar Kühlschrank und Herd. Auf Wunsch ist das System erweiterbar, so kann auch eine medizinische Überwachung über das System erfolgen. Zur Energieversorgung soll es ein Blockheizkraftwerk geben, das mit Biogas betrieben wird, und Solarstrom vom Dach, der in einer Akkuladestation im Keller gespeichert werden kann. Für die E-Mobilität gibt es Steckdosen für E-Bikes und zwei Ladestationen für Elektroautos. Ausführliche Infos finden sich unter: Innovatives Wohnen am Moritzberg und Smart Home in Hildesheim.

Nachtrag: Leider scheint es Unterschiede zwischen Idee und Umsetzung zu geben. Als Reaktion auf diesen Bericht wurde uns von Bewohnern des Hauses mitgeteilt, "dass es zu keiner Zeit eine Energieversorgung über Bio-Gas oder Solarstrom vom Dach gegeben hat. Das Haus wird mit Fernwärme versorgt. Eine Akkuladestation gibt es auch nicht. Darüber hinaus gibt es hier auch keine Anschlüsse für E-Mobilität."

Smart-Home

Abb. 5:    Smart-Home

Im Rahmen des Ausbaus der neuen Straße "Schusterbleek" wurden auch die Grundstücke an der Maschstraße indirekt zusätzlich erschlossen. Diese langen "Handtuchgrundstücke" bieten die Möglichkeit einer Nachverdichtung (städtebaulichen Ergänzung), die durch neues Baurecht geschaffen wurde. Hier wurde eine interessante Konstruktion gewählt, um die Grundstückseigentümer nicht sofort durch Erschließungsbeiträge zu belasten. Zwischen den Grundstücken und dem Schusterbleek liegt ein kleiner Grünstreifen (vgl. Abb. 6). Somit sind die Grundstücke nicht direkt erschlossen und können (da die Erschließung nicht gesichert ist) nicht bebaut werden. Sofern sich ein Grundstückseigentümer für eine zusätzliche Bebauung entscheidet, kann er einen Teil des Grünstreifens kaufen und somit die Erschließung für die Hinterlandbebauung gewährleisten.

Hinterlandbebauung

Abb. 6:    Mögliche Hinterlandbebauung

Die gemeinnützige Baugesellschaft zu Hildesheim (gbg) hat im Stadtumbaugebiet ihren Wohnungsbestand aus den 50er Jahren modernisiert (vgl. beispielhaft Abb. 7) und zusätzlich neue Gebäude errichtet (vgl. Abb. 8). Im Durchschnitt liegt die Miete jetzt bei 6,50 EUR/m² (ohne Aufzug). Zwar kam es durch die Modernisierungen zu Mietpreissteigerungen, jedoch wurde versucht, diese moderat zu gestalten. Für das Gebäude auf Abb. 7 stieg die Miete von vorher ca. 4,50 EUR/m² auf 5,35 EUR/m². Bei Neubauten, wie z.B. dem Gebäude auf Abb. 8, liegt die Miete jedoch höher. Hier fallen ca. 8,- EUR/m² an, plus ggf. 40,-EUR Miete für einen Tiefgaragenplatz (unter dem Innenhof).

Saniertes Gebäude

Abb. 7:    Saniertes Gebäude

Die gbg hat versucht, beim Neubau einen qualitativ hohen Wohnstandard umzusetzen. Hierzu gehören u.a. separate Zugänge durch eine Laubengangerschließung (vgl. Abb. 9), großzügige Treppenhäuser, ein Innenhof mit Aufenthaltsqualität (vgl. Abb. 10) und eine Tiefgarage (unter dem Innenhof).

Neubau    Laubengang

Abb. 8:    Neubau der gbg                                                                                                                                Abb. 9:    Laubengang

Der Innenhof wurde als Aufentahltsfläche gestaltet, wobei ein Regenrückhaltebecken in die Gestaltung integriert wurde. Die Balkone sind zum Innenhof ausgerichtet.

Innenhof

Abb. 10:    Innenhof

Die Wohnungen verfügen teilweise über einen französischen Balkon (vgl. Abb. 11), wobei alle sich drei Fensterelemente zusammenschieben und öffnen lassen. Hierdurch wird der gesamte Wohnraum zum "Balkon".

Französischer Balkon

Abb. 11:    Französischer Balkon

Im Innenhof erläuterte uns Herr Poppenhäger von der gbg das Konzept der Wohnanlage (vgl. Abb. 12).

IfR-Regionalgruppe im Innenhof

Abb. 12:    IfR-Regionalgruppe im Innenhof

Im Bereich Mobilität gibt es im Quartier jedoch noch einige Verbesserungsmöglichkeiten. Die Fahrradabstellanlagen können als "eher übersichtlich" bezeichnet werden (vgl. Abb. 13). Im Zusammenhang mit der Erneuerung der Straßen soll jedoch die Aufenthaltsqualität erhöht und die Situation des ruhenden Verkehrs verbessert werden.

Fahrradständer

Abb. 13:    Fahrradständer

Gegen Ende unserer Tour durch das Stadtumbaugebiet bot sich dann die Gelegenheit für ein Gruppenbild, zu dem sich auch der "Quartiershausmeister" hinzugesellte (vgl. Abb. 14).

Die IfR-Regionalgruppe

Abb. 14:    Mitglieder der IfR-Regionalgruppe Niedersachsen

Zur Verbesserung des Wohnumfeldes im bestehenden Wohnbereich gehörte auch die Neugestaltung der Spielplätze. Hierbei wurden die Kinder in die Gestaltung mit einbezogen. Neben der Auswahl der Spielgeräte entstand auch Mitmachkunst durch die Kinder (vgl. Abb. 15), die in die Neugestaltung des Spielplatzes integriert wurde. Die Identifikation mit dem Spielplatz wurde so erhöht.

Mitmachkunst

Abb. 15:    Mitmachkunst am Spielplatz

Beim Gebäudeneubau hat die gbg auch versucht, künstlerische Elemente mit einzubeziehen (vgl. Abb. 16).

Gestaltungselement

Abb. 16:    Gestaltungselement

Der Ausklang der gelungenen Exkursion fand dann im Quartier in der Gaststätte "Meyer´s Treppchen" statt. Hier wird auch das Quartiersbier "Moritzberger Bräu" ausgeschenkt (vgl. Abb. 17).

Moritzberger Pils

Abb. 17:    Moritzberger Pils

 

Anmerkung:
Alle Fotos: Dr. Frank Schröter

Frank Schröter
IfR-Regionalgruppe
Niedersachsen (Braunschweig/Hannover)

 

Interessante Links:

 

e-mail    ifr@dr-frank-schroeter.de